Geschichte der Paul-Gerhardt-Schule

    Hartmut Miethe, Pfarrer und ehemaliger Leiter des Wohnheimes des Laubach-Kolleg, führt auf den Seiten des Laubach-Kollegs - wegen des Focus auf das Singalumnat leicht abgeändert und gekürzt - hierzu aus:

    Die Paul-Gerhardt-Schule verdankt ihre Gründung der Reformation und konnte deshalb auf eine lange und bedeutsame Schulgeschichte zurückblicken.

    Ihr Ursprung lag in der Gründung der Universität von Wittenberg durch Friedrich den Weisen im Jahr 1502. An dieser Universität trafen Martin Luther und Philipp Melanchthon zusammen, die als Reformatoren Wesentliches zur Entwicklung eines neuen Schulwesens in Deutschland beitrugen, das auch Kindern aus einfachen Bevölkerungsschichten den Weg zur Bildung öffnen sollte. Politische Verbindungen nach Sachsen hin und die direkte Verwandtschaft des Grafen Friedrich Magnus zu Solms mit dem Hessischen Landgrafen Philipp dem Großmütigen bereiteten der Reformation und dem neuen Schulwesen in Laubach den Boden.

   1544 wurde die Reformation in Laubach eingeführt und bereits am 7. Mai 1555 die erste Lateinschule gegründet. Bei der Auswahl der Pfarrer und Lehrer stand Melanchthon dem Grafen beratend zur Seite Die 1555 gegründete Lateinschule ist mit ihren christlich-humanistischen Bildungsidealen die Mutter der Paul-Gerhardt-Schule, die sich diesen Bildungsinhalten verpflichtet wußte. Dies kam z. B. darin zum Ausdruck, dass Griechisch, Hebräisch und Latein unterrichtet wurde.

    Die Besonderheit des Laubacher Schulwesens lag in der engen gemeinsamen Fürsorge für das Schulwesen durch das Grafenhaus Solms-Laubach und die Evangelische Kirche. Neben dem allgemeinbildenden Volksschulwesen war es seit 1555 das Bestreben beider Institutionen, die höhere Bildung in Laubach zu beheimaten.

Paul-Gerhardt-Alumnat neben der Schule    Die Lateinschule entwickelte bis zum 30jährigen Krieg ein hohes Bildungsniveau, das Schüler aus dem ganzen Hessenland herbeilockte. Zudem waren Grafenhaus und Kirche darauf bedacht, durch Stipendien Schüler zu fördern, die sonst keine Bildungschance erhalten hätten. Viele Schüler erhielten hier eine Bildungschance, die durch die Förderung der Kirche erst möglich wurde. Die Blüte der Lateinschule, deren Absolventen zum Studium berechtigt waren, reichte bis an den 30jährigen Krieg heran. Nur mühsam konnte nach diesem verheerenden Kahlschlag wieder an die alte Tradition angeknüpft werden. Trotzdem gelang es, wenn auch in bescheidenerem Ausmaße, wieder in Laubach höhere Bildung zu vermitteln. Neben die klassischen Sprachen trat 1759 Französisch für die Kinder der gräflichen Beamten. Die Bildungsideale der Reformation erweiterten sich für die Bedürfnisse des Alltagslebens. Die Qualitätssicherung der schulischen Leistungen wurden durch sehr häufige und umfangreiche Prüfungen gewährleistet. Im Zuge der Französischen Revolution und der in ganz Europa anstehenden gesellschaftlichen und politischen Umwälzung schloß die Lateinschule in Laubach 1807 ihre Pforten.

    Ein neuer gymnasialer Anfang wurde durch den Grafen Friedrich Wilhelm gesetzt, dem es gelang im Zusammenwirken mit der Stadt Laubach und unter Aufbringung erheblicher finanzieller Mittel, ein Progymnasium zu gründen, das 1875 eröffnet wurde und nach ihm „Gymnasium Fridercianum" genannt wurde. Die erste schriftliche Reifeprüfung erfolgte nach den Aufbaujahren im Jahre 1880. Zum 1.4.1890 übernahm dann der Staat die Unterhaltung des Gymnasiums. Zu den klassischen Bildungsinhalten gesellten sich nun mit Macht die Naturwissenschaften. Naturwissenschaftliche Sammlungen wurden angelegt und ebenso eine physikalische Sammlung, die bis heute in seltener Geschlossenheit im Laubacher Heimatmuseum zu besichtigen ist.

    Ab 1907 wurde zur Stabilisierung der Schülerzahlen ein Internat gegründet (Alumnat) eine Tradition, die sich bis heute zum Wohnheim des Laubach-Kollegs fortsetzt. Die gräfliche Verwaltung errichtet hierfür ein eigenes Haus. Außerdem richtete man für die Schüler noch handwerkliche Kurse ein, z. B. Buchbinderei. 1902 wurde das Gymnasium auf staatliche Anordnung hin zu einer Realschule herabgestuft.

    Nach dem 3. Reich und dem Krieg wurde die Schule ab 15.08.1945 als „Realgymnasium Laubach" wieder in Betrieb genommen. Durch das rasche und gute Zusammenwirken der Evangelischen Kirche und dem Laubacher Grafenhaus kam es bereits am 21.10.1946 zur Eröffnung des Evangelischen landeskirchlichen Realgymnaisums mit gymnasialem Zug. Das Festessen bestand aus gespendeten Kartoffeln und Krautsalat. Aus dieser Schule entwickelte sich in den folgenden Jahren die blühende Paul-Gerhard-Schule der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau mit zahlreichen angegliederten Schulhof während eines Alumnaten, von denen die Laubacher Knabenkantorei den größten Bekanntheitsgrad erreichte.

    Im Zuge der gesellschaftlichen Unruhen von 1968 geriet auch die kirchliche Schule in Laubach mit all ihren Einrichtungen in die Krise... 1970 kam es zum Beschluss, die Paul-Gerhardt-Schule zu schließen. Die Oberstufe allerdings wurde in das seit 1962 bestehende Laubach-Kolleg, eine Einrichtung des 2. Bildungsweges, integriert, und so bleibt weiterhin in Laubach die Möglichkeit erhalten, das Abitur abzulegen.

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    Die Festschrift der Paul-Gerhard-Schule aus dem Jahr 1956 (Achtung: Lange Ladezeit!) enthält zahlreiche weitere Details ihrer Neugründung und bis dahin 10jährigen Geschichte in den Jahren nach Kriegsende.

    Leiter der Paul-Gerhardt-Schule:

    1946 - 1951 Dr. Philipp Krämer
    1951 - 1957 Dr. Franz Hildebrandt
    1957 - 1969 Dr. Konrad Korth
    1969 - 1971 Dr. Hans-Kraft Rodenhausen (kommissarisch)            OIb1963

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